Thomas Schall - Lauten

Kenneth
Sparr hat mich darauf aufmerksam gemacht, daß dieses Gedicht
von ihm entdeckt worden sei und möchte einen Link auf seine Homepage,
die durch klicken auf seinen Namen erreicht werden kann. 

     Johann Ulrich von König (1688-1744).
Dieses Gedicht wurde anläßlich der Geburt des sächsischen
Prinzen und der Rückkehr Friedrich Augusts I. 1720 geschrieben. 

Ein Schäfer-Gedicht auf die hohe Geburt    
eines Chur.-Sächs. Printzen, bey zugleich glücklich erfolgter
Zurückkunft Sr. Majestät unsers allergnädigsten Königs 

Die handelnden Personen dieses Gedichts sind die drei Schäfer
Seladon, Hulderich und Elban 

Seladon: 

          Jetzt wollen
wir die Pfeiffen 

          Abwechselnd
zum Gesang ergreiffen. 

          Hört! wie
ich mich mit geschwollnen 

          Wangen 

          bereits den
rechten Thon zu suchen 

Aber Hulderich hat Einwände und spricht: 

          Die alter Leyer
weg! die Pfeiffen 

          hiervon! 

          Hier gilt kein
bäurischer kein 

          Regel-loser
Thon. 

          Es soll nur
Silvius darzu die Laute 

          spielen. (1) 

          Der so spielt,
wann er spielt, dass 

          es die Herzen
fühlen. 

          Er ist an Aendrungen
ganz uner- 

          schöpflich
reich, 

          Und sich in
seiner Kunst nur einzig 

          selber gleich. 

          Wann er nachlässig
seine Saiten 

          Mit leichter
Hand nur obenhin be- 

          rührt, 

          Und, nach unzähligen
Annehmlich- 

          Keiten 

          Alsdenn verstärkt
durch ein hell- 

          klingend streiten, 

          Den Wohllaut
und die Kunst in sol- 

          chen Lustkampf
führt, 

          Dass selbst
sein thönend Holz davon 

          sich muss erschüttern, 

          So bebt das
Herz vor Lust, wie seine 

          Saiten zittern. 

          Wann aber denn
der Thon ersterbend 

          sich verliehrt, 

          Er auch durch
klägliche verliebte 

          Schmeicheleyen, 

          Durch immer
wechselnde stets fremde 

          Zaubereyen, 

          Durch manschem
falschen Gang 

          des Hörers
Ohr betrügt, 

          Und selbst durch
den Betrug noch 

          künstlicher
vergnügt, 

          Bald seufzend
bebt, bald schwebend 

          stille liegt; 

          Und oft den
Klang erst schärft, in- 

          dem er scheint
zu schweigen, 

          So hält
man bey sich selbst den 

          Athem ängstlich
an, 

          Damit den Ohren
ja kein Thon ent-wischen kan. 

          Oft überrascht
er uns durch wunder- 

          schnelles Steigen, 

          Antwortet oft
sich selbst mit nach- 

          geahmten Schall, 

          Und macht durch
sanftern Griff den 

          Schönsten
Wiederhall. 

          Will aber er
den Klang verdoppeln 

          und vermehren, 

          So weiss, wie
ihm geschieht, der 

          Hörer nicht: 

          So misstraut
man dem Gesicht, 

          Und glaubt hier
mehr als einem zu-hören. 

          Kurz: Zwischen
Lust, Verwunderung 

          und Ruh, 

          Vergisst man
sich, und hört ihm zu. 

          So sagte Hulderich,
und von den 

          andern beyden 

          Sprach jeder:
ja! und brach sein 

          Rohr entzwey
mit Freuden. 

          Weg! rieffen
sie: mit Pfeiffen und mit Rohr, 

          Nur Silvius
spielt recht für ein so 

          zartes Ohr... 

(1) ( Silvius ist der Taufnahme des Königl. Cammer,Musici und
be- rühmten Lautenisten, Mons. Weissens.
).